Lokalisierungen sind scheiße

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Harte Worte, aber in letzter Zeit hat sich irgendwie einiges bei Lokalisierungen geändert.

Versteht mich nicht falsch, ich bin immer Freund einer guten Übersetzung. Nur leider geht es in vielen Fällen nicht mehr darum eine gute Übersetzung zu liefern. Ziel einer Lokalisierung sollte es sein, ein Werk so getreu wie möglich zu übersetzen und an den Stellen, wo dies nicht vernünftig geht, passende Ausdrücke in der Ziel-Sprache zu finden. Dem entsprechend ist eine Lokalisierung gar nichts schlechtes und deutlich besser als eine 1:1 Übersetzung.

Daher sollte sich der eigentliche Prozess einer Lokalisierung darauf beschränken Wortspiele, Sprichwörter, Redewendungen und andere sprachliche Konstrukte anzupassen, die es so in der Ziel-Sprache nicht gibt. Alles andere geht dann schon zu weit und greift in das Originalwerk ein.

Es liegt nicht an den Übersetzern eine Interpretation des Quellmaterials vorzunehmen, Inhalte zu verändern oder gar irgendeine Agenda mit der Übersetzung zu verfolgen. Die Interpretation sollte dem Leser überlassen sein. Der originale Autor wird sich schon etwas mit seiner Geschichte, seinem Spiel oder seinen Charakteren gedacht haben. Es obliegt nicht dem Übersetzer dem Leser diese Interpretation vorweg zu nehmen oder gar die Inhalte so zu verändern, dass sie in ein politisches Schema oder zu irgendeiner Agenda passen.

Gerade letzteres passierte in der jüngeren Zeit viel zu oft. Bei der Lokalisierung von The Legend of Heroes: Trails of Cold Steel III wurden Dialoge geändert, die dem Team zu sexistisch oder unangebracht vorgekommen sind. Dies wurde in einem Stream von NIS America zu dem Spiel bekannt gegeben. Wo hier allerdings die Grenze gezogen wird ist nicht ersichtlich. Sehr traurig ist auch die Tatsache, dass sie anscheinend keinerlei Rücksprache mit Falcom in diesem Fall halten und an anderen Stellen einfach Memes eingesetzt haben. Wird dies irgendwie dem Spielspaß bei so einem Titel im Weg stehen? Wahrscheinlich nicht. Immerhin handelt es sich nur um kurze Dialoge oder kleine Einwürfe, die für die Story oder das Spielprinzip keine Relevanz haben. Aber trotzdem tut es nicht not. Was spricht dagegen Aussagen und Texte einfach so zu belassen, wie sie vorgesehen waren?

Natürlich werden auch Anime nicht von diesem Thema verschont. Hier versuchen auch gerne die Lokalisierungs-Teams eine Agenda durchzudrücken oder schießen weit darüber hinaus, was ihr Job ist. So wurde in die Übersetzung von Kono Yo no Hate de Koi o Utau Shoujo YU-NO durch Funimation der Vorwurf von Misogynie eingebaut. Hier hat es allerdings (zum Glück) nur den Dub erwischt. Sehr störend für mich war auch die Übersetzung des deutlich jüngeren Titels Machikado Mazoku.

Der Anime hat mir ziemlich gut gefallen, aber die offiziellen Untertitel dazu waren stellenweise einfach nur grausig zu lesen. Hier ging die Lokalisierung zu weit und hat sich auch an Währungen, Einheiten und alles andere, wofür es ein amerikanisches Pendant gibt vergriffen. Aus Yen wurde Dollar, aus Kilometer wurden Meilen. Wenn man nur reinen Text hat, ist dies auch durchaus in Ordnung und eine sinnige Anpassung, wenn man mit den originalen Werten und Einheiten nicht vertraut ist. Wenn man aber im Dialog ganz klar andere Wörter hört, andere Zahlen auf dem Schirm zu sehen sind und man nur einen Hauch die Sprache gewohnt ist, ist dies einfach nur störend. Richtig störend und nervig. Ein weiterer Punkt bei dem für mich die Lokalisierung zu weit geht. Hier hatte ich schon fast das Gefühl, dass ich als Zuschauer für zu dämlich gehalten werde, mit fremden Währungen und Einheiten umzugehen.

Gerade die Umwandlung von Längeneinheiten findet nicht gerade selten auch Einzug bei Light Novels. Zwar bin ich kein Fan davon, von Miles, Foot und Yards zu lesen und im Original steht sicherlich auch was Anderes, aber ich verstehe auch, dass hier die Verlage nun einmal vorwiegend in den USA sitzen und die Werke für ihren Markt anpassen. Wenn man es nur im Fließtext liest und dabei keine anderen Werte hört oder auf Illustrationen welche sieht, fühlt es sich auch nicht so falsch an. Störend wird es allerdings wieder, wenn keine richtige Umwandlung stattfindet, sondern einfach nur die Einheit geändert wird. Wenn man Kilometer einfach zu Miles ändert, nehmen Entfernungen andere Dimensionen an, was dann teilweise einfach nicht mehr zur Story passt. Auch hier ein für mich unnötiger Schritt in der Lokalisierung, aber einer, den ich wenigstens nachvollziehen kann. Wenn man es denn dann wenigstens richtig macht mit der Umwandlung.

Es gibt sicherlich genug Stellen, an denen Lokalisierungen gut und richtig sind. Aber dies sollte nur in angemessenen Mengen passieren. Reine Übersetzungen sollten eigentlich das sein, was angestrebt wird. Aber auf jeden Fall sollten Lokalisierungen, sofern sie denn nötig sind, frei von irgendwelchen politischen Agendas, eigene Wertevorstellungen und Memes sein. Mein aktueller Eindruck zurzeit ist daher: Lokalisierungen sind scheiße. Gebt mir mehr ordentliche Übersetzungen.

Quellen:

Ich habe hier nun nur Quellen für meine Einzelbeispiele angegeben. Aber schon bei kurzer Suche nach dem Thema fällt auf, dass sich wohl gerade Funimation mit seinen Dubs und NIS America bei der Lokalisierung von Spielen recht viele Freiheiten einräumt. Ob dies nun direkt an den beschäftigten Lokalisierungs-Teams oder an den Firmen selbst liegt, mag ich hier nicht beurteilen.

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Published on January 07, 2020