Visual Novel Review: Ikinari Anata ni Koishiteiru

Lesedauer: ~6 Minuten

Irgendwie hat mich vor ein paar Tagen mal wieder der Gedanke gepackt, ich koennte doch mal wieder eine Visual Novel spielen.

Da vor kurzem gerade Ikinari Anata ni Koishiteiru uebersetzt wurde, bot es sich eigentlich an, sich dieses Mal zur Brust zu nehmen. Zu Beginn aber wie immer ein paar Informationen.

Titel: Ikinari Anata ni Koishiteiru (いきなりあなたに恋している)
Entwickler: Makura
Laenge: 10 – 30h

Story: Tane, Eika, Ryou und Tsumugu wohnen zusammen mit Chouji in einem Haus. Wie wird sich sein Leben durch diese 4 Maedchen veraendern?

Aufgebaut ist die Visual Novel recht simpel: Man schluepft in die Rolle von Chouji, dem Schuelersprecher der Schule. In seinem Haus leben neben seiner Schwester Eika noch seine Cousine Ryou, die Hausmeisterin der Schule Tsumugu und die etwas verpeilte Tane. Dass dies einen nicht ganz ereignisreichen Tagesablauf zur Folge hat, muss man wohl nicht gross erwaehnen.

Bei Ikinari Anata ni Koishiteiru oder kurz Ikikoi handelt es sich um ein Moege. Hier wird eher auf die einzelnen Charaktere eingegangen und es kommt insgesamt ein Slice of Life Feeling auf. Die Story ist hier mehr oder weniger zu vernachlaessigen. Zwar hat jeder Charakter durchaus eine Hintergrundgeschichte und es passiert auch ein bisschen was, aber der Tiefgang der Geschichte ist nun nicht wirklich erwaehnenswert. Der Fokus liegt hier voll und ganz auf den Charakteren und den Dialogen. Wirklich viele Entscheidungen muss man in dem Spiel auch nicht treffen. Zwischen fuenf und sieben Entscheidungen fallen pro Charakter an und dann hat man es eigentlich auch schon. Fuer was man sich entscheiden muss um in die entsprechenden Routen zu kommen ist eigentlich auch immer recht einfach ersichtlich.

Was mir bei Ikikoi ziemlich gut gefallen hat ist die Sache mit der 4th Wall. Diese wird schon recht frueh in der Novel eingerissen und eigentlich auch nie wieder aufgebaut. Immer wieder wird irgendetwas von den Charakteren gesagt oder gedacht was deutlich macht, dass sie sich doch irgendwie bewusst sind, dass sie in einer Visual Novel stecken. Wenn man so etwas Geschickt in die Geschichten einbindet, macht es durchaus Spass, dies zu lesen. Hier wurde es einigermassen gut umgesetzt. Bei manchen Szenen war es voraussehbar, in anderen Szenen kommt es aber sehr gut an.

Die Zeichnungen der Novel haben mir ziemlich gut gefallen. Es gibt zwar so ein paar Sprites der Charaktere, bei denen optisch manche Dinge nicht so ganz hinhauen. Beim ersten Mal wirkt es etwas befremdlich, aber man gewoehnt sich eigentlich dran, sodass es ab einem Punkt einfach uebersehen wird. Die Artworks hingehen sind ganz huebsch und schick anzuehen. Dies spricht auf jeden Fall fuer Ikikoi. Schoen ist hier auch, dass wir hier eine Aufloesung von 1024×576 haben und nicht die schon fast uebliche Aufloesung von 800×600 Pixeln.

Kommen wir zu dem wichtigsten Teil des Spiels: Die Charaktere. Chouji, der Hauptcharakter, ist ein bisschen unausgeglichen. Die meiste Zeit tritt er eigentlich von einem Fettnaepchen in das Andere oder laesst sich von seinen perversen Gedanken leiten. Er kann ploetzlich von absolutem Unverstaendnis des weiblichen Geschlechts dazu uebergehen, so ziemlich alles Wichtige zu wissen und genau das zu tun, was der jeweilige Charakter gerade benoetigt. Der Kontrast zwischen diesen beiden Zustaenden ist teilweise recht hart. Er ist nun kein schlechter Hauptcharakter, ueber den Durchschnitt kommt er aber nicht hinaus.

Die weiblichen Charaktere haben auch alle so ihre Macken. Dies reicht dann von Eika (vorwiegend ein Miststueck) zu Ryou (meistens ein Miststueck), ueber Tsumugu (die immer Eika oder Ryou unterstuetzt), bis hin zu Tane (Dem wohl suessesten Ding in der ganzen Novel). Letztendlich ist kein Charakter nun wirklich schlecht. Bei den ersten Drei muss man sich aber erst einmal durch eine ganze Menge Mist, dem die einen verbal um die Uhren werfen, durchkaempfen. Fuer Tsundere Fans sicherlich was schoenes. Gleich drei Charaktere, die in etwa gleich sind, in eine Novel zu tun, war meines Erachtens hier aber eine Fehlentscheidung.

Eika ist die Schwester von Chouji. In diesem Fall sogar mal eine echte, blutsverwandte Schwester und nicht irgendetwas, was am Ende noch einmal wieder schnell umgedreht wird. Die meiste Zeit hackt Eika nur auf einen herum und egal was man sagt, macht, oder auch nur denkt, ist generell schon einmal falsch. Erst recht spaet weicht sie ein bisschen auf. Dann ist sie zwar auch ein bisschen mehr auf der Dere Seite, aber das kann nicht wirklich alles davor ausgleichen. Von allen Routen hat sie mir am wenigsten gefallen.

Ryou ist Choujis Cousine und ihre Story kam mir als einziges auch etwas durchdacht vor. Sie ist aber noch mehr Tsun als Eika und die dere Momente sind bei ihr extrem selten. Sie geht nicht nur verbal auf den Protagonisten nieder, von ihr darf man auch koerperlich einiges einstecken. Auch zum Ende hin wird sie nicht wirklich freundlicher. Was man ihr wirklich zugutehalten kann ist ihr Pyjama. Das ist wohl der Schickste in der ganzen Novel. Auch wenn sie eine noch groessere Tsundere als Eika ist, hat sie mir doch besser gefallen. Eika war in dem Fall einfach noch nerviger.

Tsumugu ist die Hausmeisterin der Schule und persoenliche Maid von Chouji. Ihre Story ist eigentlich recht sinnfrei, vom Charakter hat sie mir aber recht gut gefallen. Sie macht zwar immer mit, wenn es darum geht, Chouji fertig zu machen, von sich aus verarscht sie ihn aber nur und macht auch hier und dort sexuelle Anspielungen. Was Wortgefechte angeht ist sie Chouji immer einen Schritt voraus. Sobald man richtig in ihrer Route drin ist, wird sie auch freundlicher und eigentlich auch recht suess. Ihre Route hat echt Spass gemacht zu lesen und hat mir ziemlich gut gefallen.

Tane ist mehr oder weniger eine Kindheitsfreundin von Chouji, auch wenn sie nur kurz Kontakt zueinander hatten. Sie selbst ist dem Protagonisten gegenueber DereDere und ziemlich schuechtern. Meistens ist sie zu schuechtern um sich so zu verhalten, wie sie gerne moechte. Daher wird sie von den meisten Menschen missverstanden. Hinzu kommt dann noch ihre uebermenschliche Staerke, weswegen sie ungewollt Anfuehrerin aller zwielichtigen Gestalten der Schule ist. Schon bevor man in ihrer Route ist, macht es richtig Spass ihre Szenen zu lesen. Spaeter wird es nur noch besser, da Tane einfach zuckersuess ist. Obwohl ich eigentlich nicht mehr so ein grosser Fan von Moe bin, hat es mir bei ihr aeusserst gut gefallen. Tane war dann doch mein persoenlicher Lieblingscharakter aus Ikinari Anata ni Koishiteiru.

Sexszenen gibt es hier natuerlich auch. Fuer jeden Charakter ist eigentlich genug dabei und beschweren kann man sich auch nicht. Das meiste ist Zeug recht Vanilla, Ryou zum Beispiel weiss aber auch mal wieder, wie man einen Schritt zu weit gehen kann. Ansonsten gibt es dazu eigentlich nicht viel zu sagen.

Als Fazit kann man sagen, dass sich hier Tane am Meisten gelohnt hat. Die Artworks sind ok, die Story ist allerdings etwas, mit dem ich nicht von Tuer zu Tuer gehen wuerde. Alles in allem ist Ikikoi nicht wirklich lang und wenn man ein Fan von Tsunderes ist, ist man mit der Novel gut beraten. Fuer mich war es nach einer recht langen Visual Novel Auszeit wieder ein guter Einstieg in den Bereich. Allerdings habe ich nun mal wieder von Tsundere gehoerig die Schnauze voll.

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