Dänemark 2022 - Ein Kurztrip

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Dieses Jahr hat es sich nicht ergeben, dass es auf große Reise ging. Dafür hat sich bei mir einiges an Camping-Equipment angehäuft, welches Mal länger als nur ein Wochenende getestet werden musste. Somit entschied ich mich kurzerhand dazu, einen kleinen Trip nach Dänemark einzulegen.

Mein Ziel für die Reise war es, nach Hirtshals ganz im Norden von Dänemark zu fahren und dort das größte Aquarium Nordeuropas (Nordsøen Oceanarium) anzusehen. Ich war bereits als Kind schon einmal dort, aber seitdem war das Gebäude einmal abgebrannt und wieder neu aufgebaut worden.

Der Weg bis zum Aquarium ist allerdings lang und einen genauen Plan für die Anreise hatte ich nicht. Also machte ich mich erst einmal auf den Weg Richtung Norden. Irgendwann stellte sich aber auch bereits das erste Hindernis mir in den Weg: Hamburg und der Elbtunnel. Obwohl ich bewusst kurz nach der Mittagszeit dort angekommen bin und gehofft hatte, dem schlimmsten Verkehr entkommen zu können, war dort immer noch genug los, um auch dank den Baustellen über eine Stunde Zeit zu verlieren. Nach Hamburg hatte ich dann auch nicht mehr wirklich Lust, viel zu fahren und bog von der Autobahn nach links ab zur Küste. So wurde mein erstes Ziel die Gegend rund um St. Peter-Ording.

Hier kam dann auch das erste von den beiden Zelten, welches ich für die Tour eingepackt habe zum Einsatz. Dabei handelt es sich um ein Nordisk Telemark 2.2 PU. Ein recht kleines Zelt, welches dafür aber zusammengepackt ebenfalls sehr kompakt und leicht ist. Es eignet sich hervorragend für kurze Übernachtungen oder aber auch mal ein längeres Wochenende. In der Nacht sollte es dann auch seinen ersten Test im Regen erfahren, welches es mit Bravour bestanden hat.

Das kleine Telemark 2.2
Das kleine Telemark 2.2

Nach einer kleinen Mahlzeit wollte ich aber ein bisschen die Gegend rund um. St. Peter-Ording erkunden, bevor ich am Abend dann zu den Pfahlbauten am Strand gefahren bin. Hier boten sich doch ein paar Fotogelegenheiten und wäre durchaus ein Ort, an dem man auch ein paar mehr Tage verbringen könnte.

Leuchtfeuer südlich von St. Peter-Ording
Leuchtfeuer südlich von St. Peter-Ording
Pfahlbauten an der Küste
Pfahlbauten an der Küste
Für ein Eis war ich leider zu spät dran
Für ein Eis war ich leider zu spät dran

Am nächsten Tag kam schon recht früh die Sonne raus. Dadurch bin ich zwar früh aufgewacht, aber auch das Zelt konnte sehr schnell nach dem Regen in der Nacht trocknen. Somit konnte ich schon gegen 10 Uhr wieder aufbrechen und mich weiter auf den Weg nach Dänemark machen.

Nach einer kurzen Kontrolle am Grenzübergang war ich dann auch recht schnell in Dänemark angekommen. In Dänemark selbst fährt es sich deutlich angenehmer und entspannter als auf deutschen Autobahnen. So konnte ich gut Strecke machen und da der Wetterbericht für die Mitte von Dänemark eine Schlechtwetterfront vorhergesagt hat, entschied ich mich kurzerhand direkt bis nach Hirtshals hoch zu fahren. Auch wenn die Fahrt dann etwas länger war als geplant, war sie doch recht entspannt.

In Hirtshals angekommen konnte ich mich zwischen zwei Campingplätzen entscheiden. Da der stadtnahe Campingplatz keinerlei Schutz vor dem Wind bietet, habe ich mich für den im östlichen, leicht abseits liegenden Campingplatz entschieden. Hier habe ich dann mein zweites Zelt aufgebaut. Hier kommt nun das Varanger 8-10 von Helsport zum Einsatz. Ein Zelt im Tipi-Stil, welches deutlich mehr Platz bietet und perfekt ist als Basislager für längere Aufenthalte. Im Winter nutze ich es auch gerne zusammen mit einem Holzofen für gemütliches Camping in der kalten Jahreszeit. Da man es sich ja nicht unnötig unbequem beim Campen machen muss, habe ich im Zelt gerne ein Feldbett, Tisch und Stuhl. Da ist dann auch ein bisschen mehr Regen ein Problem.

Das Helsport Varanger 8-10
Das Helsport Varanger 8-10
Alleine hat man im Zelt mehr als genug Platz
Alleine hat man im Zelt mehr als genug Platz

Für eine Person ist das Zelt eigentlich schon zu groß. Im Winter mit 2-3 Personen, Ofen und Feldbetten aber genau richtig. Mit dem Basislager für die kommenden Tage nun fertig eingerichtet, ging es wieder zurück nach Hirtshals. Ein bisschen am Wasser und im Hafen entlang schlendern, etwas Essen gehen und den Tag ruhig ausklingen lassen. Leider hat mich recht schnell der Regen auch hier oben eingeholt, wodurch das Fotografieren für den Abend dann gestrichen wurde.

Am nächsten Morgen ging es mit frischen Brötchen in der Hand an den Strand. Warum sollte man auf dem Campingplatz frühstücken, wenn es doch Orte gibt, die eine viel schönere Aussicht bieten.

Frühstück am Strand
Frühstück am Strand

Nach einem entspannten Frühstück und ein bisschen aufs Wasser schauen, ging es zurück zum Campingplatz. Zeit, die Kamera einzupacken und sich zum Aquarium zu begeben. Dieses ist wirklich beeindruckend. An vorderster Front natürlich das große Meerwasserbecken. Mit über vier Stockwerke hoch und dem gigantischen Fenster vermittelt es wirklich einen guten Eindruck davon, wie es Unterwasser aussieht. Das große Fenster besteht aus sechs Schichten Acryl und ist insgesamt 41 cm dick. Man kann wirklich Stunden davor verbringen und einfach nur den Fischen, Haien und Rochen zusehen. Vor allem die Mondfische sehen besonders knuffig aus. Aber auch die kleinen Haie haben durchaus ihren Charme.

Blick in das große Aquarium
Blick in das große Aquarium
Das größte Sichtfenster
Das größte Sichtfenster
Fütterungszeit
Fütterungszeit

Aber der Besuch lohnt sich nicht nur für das große Aquarium. Es gibt auch viele kleine Aquarien mit den unterschiedlichsten Bewohnern. Draußen gibt es auch noch ein großes Becken mit verschiedenen Robbenarten.

Robbe müsste man sein
Robbe müsste man sein
Gute Schwimmer, aber am Land doch eher unelegant
Gute Schwimmer, aber am Land doch eher unelegant

Nachdem ich dort noch eine Zeit den Blick in die diversen Aquarien und natürlich auch ins große Becken genossen habe, wurde es aber nach guten fünf Stunden auch wieder Zeit, die Anlage zu verlassen. Danach ging es noch ein bisschen an den Hafen spazieren und fotografieren, bevor ich für das abendliche Essen ein bisschen eingekauft und schließlich auf den Grill geworfen habe.

Kutter mit Stellnetze im Hafen
Kutter mit Stellnetze im Hafen

Am nächsten Tag ging es nun erst einmal nach Skagen. Wenn man schon einmal im Norden von Dänemark ist, kann man auch so weit nach Norden fahren, wie es geht. In Skagen habe ich zu Beginn an der Kaimauer gefrühstückt und mir dann den Hafen angesehen.

Fischerhütten im Hafen von Skagen
Fischerhütten im Hafen von Skagen

Hier muss ich allerdings sagen, dass mir Hirtshals als Stadt besser gefällt. Daher habe ich Skagen auch recht bald wieder verlassen und mich auf den Weg zu meinem nächsten Ziel gemacht: Den Tilsandede Kirke, die versandete Kirche.

Dabei handelt es sich um eine Kirche aus dem 13. Jahrhundert, welche ursprünglich zwischen Feldern gebaut, im Laufe der Jahrhunderte aber von den Wanderdünen verschluckt wurde. Nach einem größeren Sturm und immer mehr angesammelten Sand wurde damals entschlossen, dass die Kirche abgerissen wird. Nur den Turm hat man stehenlassen und unter dem Sand sind nach wie vor der alte Fußboden und Grabplatten verborgen.

Der Weg (und Sand) liegt gute 2m über dem Eingang zum Turm
Der Weg (und Sand) liegt gute 2m über dem Eingang zum Turm
Der Kirchturm einsam in der Landschaft
Der Kirchturm einsam in der Landschaft

Im Anschluss war mein nächstes Ziel die Råbjerg Mile. Dies ist eine große Wanderdüne südwestlich von Skagen. Sie bedeckt aktuell eine Fläche von ca. 120 ha und kann je nach Wind Dünen bis zu einer Höhe von 40 m auftürmen. Im Schnitt bewegt sich die Düne mit 15 m pro Jahr in Richtung Osten. Auch wenn ich schon in Afrika war und Sandfelder der Sahara gesehen habe, ist so eine Menge Sand doch immer noch beeindruckend. Nicht nur ist es im weichen Sand teilweise echt anstrengend zu laufen, man ist auch leicht von sich selbst enttäuscht, wenn man auf dem Kamm der höchsten Düne merkt, dass man seine Wasserflasche ganz am anderen Ende vom Sandfeld im Auto gelassen hat.

Gerade die kleinen Details machen solche Orte für mich interessant
Gerade die kleinen Details machen solche Orte für mich interessant
Blick über das Sandfeld der Wanderdüne
Blick über das Sandfeld der Wanderdüne

Zum Abend hin ging es dann zurück zum Camp. Hier zog dann auch ordentlich Wind auf. Nach dem Abendbrot zeigte ein prüfender Blick in den Hafen, dass sich das mit dem Fotografieren nicht wirklich lohnen würde: Durch den Wind wackeln alle Schiffe ordentlich und selbst im geschützten Hafen gibt es ordentliche Wellen. So ging es nach einem kurzen Besuch am Hafen wieder zurück in den Schlafsack. Dazu ein gutes Buch und den Abend ruhig ausklingen lassen.

Der nächste Tag lud dann wieder zu neuen Abenteuern ein. Da es zuvor weiter in den Norden ging, war nun ein Ausflug in den Süden geplant. Als Ziel hatte ich mir Thorup Strand gesetzt. Gute 100 km geht es damit in den Südwesten und wenn man hier und dort noch eine kleine Pause einlegt, ist man auch gerne mal 2 Stunden unterwegs. Von Thorup Strand hatte ich bisher nur Bilder gesehen. Was mich hier fasziniert, ist, dass sie dort keinen richtigen Hafen haben, sondern die Fischkutter noch ganz klassisch an den Strand ziehen. Hierfür gibt es extra große Seilwinden und schwere Kettenfahrzeuge, um die Kutter an Land zu ziehen.

Bei dem Wind trauen sich die Kutter nicht ins Wasser
Bei dem Wind trauen sich die Kutter nicht ins Wasser
Außerhalb des Wassers wirken die Kutter klein und knubbelig
Außerhalb des Wassers wirken die Kutter klein und knubbelig
Seilwinden, die zum Wasser führen
Seilwinden, die zum Wasser führen

Leider blieb ich auch dort nicht vom Wind verschont. Und so peitschte der Wind um mich herum und verteilte den Sand nicht nur in meinem Gesicht, sondern auch großzügig in allen Taschen. Um Fotos zu machen, musste ich mich immer schützend vor die Kamera stellen. Gerade bei längeren Belichtungszeiten vom Stativ aus hatte man bei dem Wind ansonsten keine Chance. Nachdem ich die Szene noch ein bisschen aus dem Windschatten eines der Gebäude dort genossen habe, ging es dann auch weiter wieder zurück Richtung Norden.

Was könnte es bei dem ganzen Wind Schöneres als Ziel geben, als eine weitere große Wanderdüne, die Rubjerg Knude. Auf der Düne selbst steht auch ein alter Leuchtturm aus dem Jahre 1900. Da beim Bau die Entstehung einer Wanderdüne nicht wirklich eingeplant war, fungierte das Gebäude nur bis 1968 als Leuchtturm und ist dank seiner Position im Sand zu einer Touristenattraktion geworden. Da die Düne dann allerdings anfing, unter ihm wegzuwandern, drohte er ins Meer zu stürzen. 2019 wurde der Leuchtturm daher angehoben und auf einem Schienensystem ca. 70 m Richtung Inland verschoben.

Der alte Leuchtturm auf der Düne
Der alte Leuchtturm auf der Düne
Blick von unten ins Kaleidoskop im Leuchtturm
Blick von unten ins Kaleidoskop im Leuchtturm

Der dort wehende Wind gepaart mit dem feinen Sand füllte nicht nur meine Hosentaschen und Schuhe, sondern wurde leider auch der Technik zum Verhängnis. So ist meine Kamera dem Sand verfallen. Es hat sich genug Sand unter dem Auslöser festgesetzt, sodass sich der Auslöser im ausgelösten Zustand verharkt hat. Sobald ich die Kamera angeschaltet habe, hat sie sofort versucht auszulösen. Dies ist natürlich ein Problem, welches ich erst einmal versuchen musste zu beheben. Daher ging es zurück nach Hirtshals und zum Campingplatz.

Mit Messer, Zange, Pinzette und einem Blasebalg konnte ich den Auslöser zumindest wieder aus seiner verklemmten Position lösen. Beim Verwenden war allerdings immer noch ein deutliches Kratzen und Schaben zu hören, die Chance, dass er sich wieder verkeilt war also nicht gerade klein. Am Abend lies nun allerdings auch mal der Wind ein bisschen nach. An sich eine gute Chance, endlich ein paar Fotos zur blauen Stunde machen zu können. Mit einem Fernauslöser bin ich auch nicht vom eigentlichen Auslöser der Kamera abhängig. So ging es erst einmal wieder nach Hirtshals in den Hafen.

Treppe, die die Innenstadt und den Hafen verbindet
Treppe, die die Innenstadt und den Hafen verbindet
Anleger für kleinere Boote
Anleger für kleinere Boote
Rückzugsort für die Kutter
Rückzugsort für die Kutter

Aber auch den Leuchtturm von Hirtshals sollte man nicht außer acht lassen. Spät in der Nacht, zwischen 1 und 2 Uhr, gab es dann mit silbernen Wolken noch ein schönes Schauspiel zu bewundern. Hier entstehen Eiskristalle in deutlich höheren Luftschichten, als es für Wolken normalerweise üblich ist. Während man diese am Tag eigentlich nicht sehen kann, werden sie nach Sonnenuntergang am Horizont von unten noch von der Sonne angeleuchtet.

Blick von unten hoch zum Leuchtturm
Blick von unten hoch zum Leuchtturm
Leuchtturm zur blauen Stunde
Leuchtturm zur blauen Stunde
Obwohl ich gar nicht so hoch im Norden war, wollte die Sonne nicht richtig untergehen
Obwohl ich gar nicht so hoch im Norden war, wollte die Sonne nicht richtig untergehen

Nach den Fotos ging es dann aber auch zurück zum Auto und zum Campingplatz. Müde und kaputt wurde es Zeit, sich im Schlafsack einzurollen. Am nächsten Morgen war ich immer noch ziemlich angefressen davon, dass die Kamera so Probleme macht. Es hat mit schon die Laune verdorben. Vor allem, da die kleine Reise als Fotourlaub geplant war. Da ich mich nicht mehr wirklich auf meine Kamera verlassen konnte, entschloss ich mich nun, die Reise zu beenden. Der Campingplatz war eh nur bis zu dem Tag gebucht und somit packte ich alles wieder ein und machte mich auf die lange Heimreise. Dieses Mal gab es aber keinen Zwischenstopp und so ging es gute 650 km wieder zurück nach Hause.

Auch wenn ich gar nicht so viele Tage unterwegs war, hat sich über die Zeit nun doch rund 1800 km auf dem Streckenzähler angefunden. Zwar war die Reise nun kürzer als geplant, es war trotzdem ein lohnenswerter Ausflug und ich hab immer noch ein paar Dinge gefunden, die ich bei meiner Campingausrüstung optimieren kann.

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