Magnetische Rundfilter sind geil

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Ich mag den Effekt, den Filter beim Fotografieren erzeugen können. Was ich nur nicht mag, ist immer das Herumfummeln um die Filter vor das Objektiv zu bekommen. Im vergangenen Sommer habe ich da aber nun endlich eine für mich gut funktionierende Lösung gefunden.

Es gibt manche Effekte, die kann man beim Fotografieren nur eher schlecht nachträglich in Photoshop oder dergleichen erzeugen. Manche Dinge müssen einfach bereits vor Ort bei der Aufnahme passieren. Für mich gehört dazu der Einsatz eines Polfilters, um zum Beispiel Spiegelungen auf Oberflächen zu entfernen oder Graufilter um auch bei viel Licht längere Belichtungszeiten zu bekommen.

Rundfilter
Verschiedene Rundfilter

Eine ganze Zeit lang habe ich für diesen Zweck ganz einfache Rundfilter eingesetzt. Diese werden einfach vor das jeweilige Objektiv geschraubt. Dies funktioniert auch ganz gut, solange man nur einen Filter einsetzen möchte. Sobald mehrere Filter im Spiel sind, wird es schon schwieriger. Möchte man den Filter direkt am Objektiv entfernen, muss man erst alles wieder abschrauben. Auch ist hier die Kombination aus Pol- und Graufilter unpraktisch.

Um den richtigen Effekt bei einem Polfilter zu erhalten, muss dieser verdreht werden. Man schaut also durch den Sucher oder aufs Display der Kamera und verdreht den Filter so lange, bis man den gewünschten Effekt erzeugt hat. Zum Beispiel die Spiegelung auf Wasser zu entfernen. Möchte man nun noch die Belichtungszeit erhöhen, kommt ein Graufilter hinzu.

Einsatz von Graufiltern
Um die Wolken so ziehen zu lassen und damit Menschen 'verschwinden' kamen Graufilter zum Einsatz. Die Aufnahme dauerte 8 Minuten.

Dreht man diesen nun vor den Polfilter, verdreht man diesen unweigerlich wieder und der Effekt muss neu eingestellt werden. Da ein Graufilter das Bild aber deutlich abdunkelt, kann man oft im Sucher oder im Display nicht mehr erkennen, wie das eigentliche Bild aussieht. Deswegen stellt man erst alles an der Kamera ein, bevor der Filter zum Einsatz kommt. Dabei ist es auch egal, ob man erst den Polfilter oder den Graufilter vor dem Objektiv anbringt: Sitzt er an erster Stelle, verstellt man ihn unweigerlich, wenn der Graufilter hinzukommt. Kommt er zuletzt ins Spiel, kann man nicht richtig erkennen, welchen Effekt er bewirkt.

Geplagt von diesem Problem habe ich oft nur noch zu einer Sorte von Filter gegriffen. Die Kombination von beiden hat mehr Probleme als Freude bereitet. Bei Fotos, bei denen ich klar beide Filter gebraucht hätte, habe ich dann teilweise einfach gar nicht mehr abgedrückt. Dies war aber für mich auf lange Sicht auch keine richtige Lösung. Daher habe ich mir vor meiner Island-Reise ein neues Filtersystem in der Form von Steckfiltern zugelegt.

Steckfilter
M10 Steckfiltersystem von Haida

Bei einem Steckfiltersystem wird ein Adapter und ein Halter vor das Objektiv geschraubt. Bei den meisten Filterhaltern liegt auch noch eine Trennung vor zwischen den Steckfiltern (Graufilter, Verlaufsfilter, Farbfilter etc.) und dem Polfilter, sodass man diese unabhängig voneinander nutzen und auch einstellen kann. Hier ist es nun also möglich, den Polfilter einzustellen, und nachträglich einfach, einen oder mehrere Graufilter davor zu schieben. Möchte ich noch schnell etwas an den Bildeinstellungen ändern, kann ich den kompletten Filterhalter auch eben schnell einmal vom Objektiv entfernen und auch danach mit der gleichen Kombination an Filtern wieder davor setzen. Dies ist nicht nur praktisch, sondern spart auch Zeit.

Ein Nachteil an dem System ist allerdings die Größe und das Gewicht. Der Filterhalter allein ist schon größer und schwerer als die Schraubfilter, die ich vorher hatte. Hinzu kommen dann noch die Filter an sich. Abgesehen vom Polfilter handelt es sich hierbei um 10 x 10 cm große Glasplatten, die nicht nur schwer, sondern auch empfindlich sind. An kälteren Tagen, mit Handschuhen an den Händen, sind sie sogar auch noch recht unpraktisch. So ist es wohl auch nicht verwunderlich, dass bei meiner Ungeschicktheit der Island-Urlaub auch direkt ein Opfer in Form eines zersprungenen Filters gekostet hat. Ein weiterer Nachteil ist dann auch noch, dass diese Filter nicht gerade günstig sind ...

Magnetische Rundfilter
Magnetische Rundfilter mit Farbcodierung

Bevor es dann im vergangenen Sommer nach Großbritannien ging, hatte mich das GAS (Gear Acquisition Syndrome) wieder gepackt. Um das Geld in dir richtigen Bahnen zu lenken, wurde es Zeit für ein neues Filtersystem. Die Wahl fiel dieses Mal auf ein magnetisches Rundfiltersystem. Und wow. An dem Punkt hätte ich schon viel früher ankommen sollen.

Das magnetische Filtersystem nimmt für mich von den beiden vorhergehenden Systemen alle Vorteile, aber hat keinen der Nachteile. Dadurch, dass die Filter magnetisch sind, lassen sie sich schnell vorm Objektiv der Kamera anbringen und auch wieder entfernen. Da man hier auch nichts mehr schrauben muss, muss man sich auch echt anstrengen, um den Polfilter aus Versehen zu verstellen, wenn der Graufilter hinzukommt.

Einsatz Polfilter und Graufilter
Mit einem Polfilter wurden die Spiegelungen im Wasser entfernt und man kann die Steine auf dem Grund sehen. Zusätzlich kam ein Graufilter zum Einsatz um dem Wasser mehr Dynamik zu verleihen.

Möchte man noch was am Bild ändern, braucht man nur ein bisschen am Filter ziehen und schon hat man ihn in der Hand. Trotzdem sind die Magneten aber nicht so schwach, dass man das Gefühl hat, die Filter könnten einfach vom Objektiv abfallen. Die Verwendung der Filter ist kinderleicht und bietet gerade in der Handhabung für mich klare Vorteile zu den normalen Rundfiltern und zum Steckfiltersystem.

Gegenüber dem Steckfiltersystem kommen dann auch noch klare Vorteile was Größe und Gewicht angeht ins Spiel. Und dann kam irgendjemand auch noch auf den Gedanken, die Filter ab Werk farblich zu codieren. So braucht es nur einen Blick in die Tasche und es ist direkt klar, wo welcher Filter sitzt. Kein Suchen, kein herumwühlen. Allerdings kann man bei den magnetischen Rundfiltern keine Verlaufsfilter nutzen. Da ich solche aber bisher auch nie genutzt habe, ist dies kein Nachteil für mich.

Rundfilter, Steckfilter und magnetische Rundfilter
Rundfilter, Steckfilter und magnetische Rundfilter eingepackt
Rundfilter, Steckfilter und magnetische Rundfilter
Rundfilter, Steckfilter und magnetische Rundfilter

Der entscheidende Faktor ist aber, wie viel Spaß die Nutzung der magnetischen Filter macht. Bei allen anderen System gab es immer irgendetwas, was mich genug gestört hat, um einfach auf den Einsatz von Filtern zu verzichten. Aber mit den neuen Filtern war es eine wahre Freude, im Urlaub zu fotografieren. Ich hatte nicht mehr das Gefühl, dass die Filter mehr Hindernis als Hilfestellung sind. Durch die Größe konnte ich sie bequem in der Jackentasche haben. Ein Blick reichte, um den richtigen Filter zu erkennen, und mit einem leisen "klack" saß der Filter auch schon vorm Objektiv. Einfacher ging es nun wirklich nicht mehr. Während ich zuvor schon den Spaß an der Verwendung von Filtern verloren hatte und sie schon nicht einmal mehr als Mittel zum Zweck verwenden wollte, sah die Sache nun ganz anders aus.

Filter vor der Kamera
Kamera ohne Filter, mit Rundfilter, mit Steckfilter, mit magnetischen Rundfiltern

Man soll bekanntlich die Verwendung von Filtern nicht übertreiben. Aber wenn man sie verwendet, dann darf dies ruhig eine angenehme Sache sein und sollte nicht der eigentlichen Fotografie im Weg stehen. Und gerade bei den magnetischen Rundfiltern hatte ich das Gefühl, dass dies hier endlich der Fall ist.

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