Island 2021 - Von Gletschern und Vulkane (Teil 1)

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Ich bin zwar nun schon fast zwei Monate wieder im Lande, habe aber bisher das mit dem Reisebericht gut vor mich her geschoben. Nun kann ich mich aber nicht mehr länge verstecken. Außerdem ist so ein Reisebericht ein guter Grund, auch endlich mal ein paar mehr Fotos zu bearbeiten.

Nachdem mir letztes Jahr bereits die Reise an die Adria sehr gut gefallen hatte, war das diesjährige Reiseziel schnell gefunden. Erst einmal nach Italien, dann mit der Fähre nach Griechenland, um dort ein bisschen Zeit zu verbringen. Der Rückweg sollte dann auf dem Landweg durch Albanien, Kroatien und Slowenien erfolgen. Im Sommer wurde es dann allerdings in Griechenland wieder recht warm, hier und dort brachen dann auch Waldbrände aus. Da wir ein bisschen mehr von der Landschaft haben wollten als Feuer und Asche, brauchten wir ein neues Ziel. Da fällt einem natürlich sofort Island als nahe liegende Idee ein! So ging es dieses Jahr dann wieder einen Monat auf Reisen, dieses Mal auf die wunderschöne Insel Island.

Die Route
Die Route

Wenn man nach Island fährt und auch ein bisschen was von der Insel sehen möchte, so hat man eigentlich zwei Optionen: Entweder man fliegt hin und leiht sich dort eins der (überteuerten) Camping-Mobile oder man kommt mit der Fähre und hat das eigene Fahrzeug dabei. Wenn man eh nur ein bis zwei Wochen auf der Insel verbringt, kommt man im Normalfall mit einem Miet-Camper dort günstiger zurecht. Wenn man allerdings länger bleiben oder gar auf einer der Pisten ins Hochland fahren möchte, so kommt man nicht daran vorbei mit dem eigenen Wagen über die Fähre anzureisen.

So ging es dann für uns auch erst einmal in den Norden von Dänemark. Von Hirtshals aus startete die Fähre nach Seyðisfjörður auf Island. Zwischendurch gab es noch einen stop für ein paar Stunden in Tórshavn, der Hauptstadt der Faröer. Hier verbleibt das Schiff ein paar Stunden und so kann man ein bisschen die Stadt erkunden. Direkt am Hafen gelegen ist die Altstadt, die sich durchaus einen Blick lohnt, wenn denn das Wetter mitspielt. Während wir anfänglich noch Glück hatten, fing es doch nach zwei Stunden an zu regnen und es ging wieder zurück aufs Schiff.

Tórshavn
Tórshavn

Nach vielen weiteren langweiligen Stunden auf der Fähre erhob sich dann aber Island aus dem Nebel und Wolkenfronten. Der erste Eindruck war also genau das, was man Island erwarten würde: Wind, Regen und Kälte. Kaum hatten wir aber die Fähre verlassen und die Einreiseformalien erledigt, besserte sich auch schon das Wetter. Aus Seyðisfjörður führt nur eine Straße heraus und auf der ging es auf direktem Weg nach Egilsstaðir. Auf dem Weg dahin wurden wir links und rechts bereits von Wasserfällen begrüßt. Ein Anblick, der uns die ganze Reise über begleiten sollte. In der Stadt wurden dann erst einmal die Nahrungsvorräte aufgefüllt und sich mit den einheimischen Preisen angefreundet. Ab dem Punkt war es nun das Ziel, in der uns verfügbaren Zeit große Teile der Insel zu sehen. Dabei wollen wir die Ringstraße so wenig wie möglich fahren und mehr auf den kleineren Wegen bleiben. So bogen wir auch recht schnell gen Norden ab, um erst einmal einen Bogen die nördliche Küste entlang zu fahren.

Island zeigt sich zum ersten Mal
Island zeigt sich zum ersten Mal
Auf gewundenen Straßen durch den Norden
Auf gewundenen Straßen durch den Norden

Hier war das Wetter zu Beginn noch recht wechselhaft, wendete sich aber dann doch recht schnell Richtung Sonne. Nach einem größeren Bogen über die 917 und 85 sollte es den ersten Abstecher ins Hochland geben. Es ging zurück am Dettifoss, dem leistungsstärksten Wasserfall Europas, vorbei wieder zur Ringstraße und von dort aus auf die F88. Sobald ein F in der Straßenbezeichnung vorkommt, sollte man sich auf Abenteuer einstellen. Ab dem Punkt ist es dann vorbei mit so unsinnigen Erfindungen wie Straßenbelag, Tankstellen oder gar Brücken. Auf Pisten geht es durchs Hochland, durch Flüsse, und wenn man Glück hat, sieht man sogar mal einen Wegweiser an Gabelungen. Die einzigen anderen Anzeichen für Zivilisation sind hier die Schutzhütten für die Wanderer, die zu der Jahreszeit aber bereits überwiegend geschlossen sind.

Der Dettifoss
Der Dettifoss
Auf der Piste durchs Hochland
Auf der Piste durchs Hochland

So ging es immer weiter die F88 entlang Richtung Askja. Vorbei am Herðubreið, einem der schönsten Berge Islands, geht es immer wieder durch Flüsse und durch Lavafelder. Während man bei den Pisten in geraden Bereichen gut mit 60-80 km/h über die Bodenwellen fliegen kann, kann man in den Lavafeldern froh sein, wenn man die 20 km/h Grenze knackt. Immer wieder kommt scharfes Lavagestein aus dem Boden und wetzt die Klingen, um die Reifen unvorsichtiger Touristen aufzuschneiden. Über die F910 geht es dann weiter bis zum Askja und den dortigen Vulkanseen. Wenn man dort in der Nähe ist, kann man sich durchaus auf die kleine Wanderung zu den Seen einlassen. Nach etwa einer Stunde erreicht man zu Fuß den kleinen See Víti. In ihm herrscht eine konstante Temperatur von 20-24 °C und das Baden in ihm ist gestattet. Allerdings muss man sich auf einen rutschigen Abstieg einrichten und sobald man einmal im Wasser war, wird man den Schwefel und Eisengeruch auch nicht so schnell wieder los.

Der Herðubreið mit seinen Lavafeldern
Der Herðubreið mit seinen Lavafeldern
Flussdurchfahrten lassen sich nicht vermeiden
Flussdurchfahrten lassen sich nicht vermeiden
Der kleine Víti am Askja
Der kleine Víti am Askja

Nach dem Besuch gab es nun die Möglichkeit, die deutlich besser befahrbare F910 wieder raus aus dem Gebiet zu nehmen. Allerdings geht die nicht in die Richtung, in die wir eigentlich fahren wollen. Die F88 zurück wäre zu langweilig, da waren wir ja gerade. Bleibt also nur noch eine kleine, nicht auf allen Karten verzeichnete unbenannte Piste, die südlich um den Askja führt und dann im Norden wieder auf die Ringstraße westlich vom Mývaten trifft. Der Parkranger vor Ort beim Askja versicherte uns, dass die Straße befahrbar ist und die Flussdurchgänge in den Morgen- und Abendstunden passierbar. Allerdings sollten wir für die Route auch gut Zeit und Geduld einplanen. Wie sagte er noch so schön? "Ich brauchte für nicht ganz 10 km über 2 Stunden. Und das aber auch nur, weil das Auto nicht mir gehörte."

Einfahrt zu einer Piste
Einfahrt zu einer Piste

Und so kam es dann auch, dass diese Route doch gut Zeit fressen würde. Dafür kamen wir aber auch hier durch eine Landschaft, die ich so in meinem Leben noch nicht gesehen hatte. Es ist auch mehr als nachvollziehbar, dass dieses Gebiet am Askja ein Übungsgelände für die Apollo-Missionen der NASA waren. Es kommt einem echt so vor, als wenn man sich auf einem anderen Planeten befindet. Karge, wüstenartige Landschaften durchsetzt von Lavagestein. Keine andere Farben außer grau und schwarz. Das sind die Aussichten, die uns hier nun große Teile des Weges begleitet haben.

Die Wege rund um den Askja gleichen einer Mondlandschaft
Die Wege rund um den Askja gleichen einer Mondlandschaft

Nach etwa zwei Tagen hat man aber auch die Passagen hinter sich gelassen. Die Natur wird wieder etwas grüner und langsam, aber sicher kommen wir auch wieder in die Nähe von echten Straßen. Hier folgen wir dann den Schotterwegen und dem spärlichen Astphalt, bis wir wieder an der Ringstraße ankommen. Hier wartet dann auch der Goðafoss auf uns. Meiner Meinung nach ist es einer der schönsten Wasserfälle, die Island zu bieten hat. Hier nutzen wir dann auch die Gelegenheit, diesen ausgiebig zu fotografieren, bevor es dann weiter Richtung Osten zum Mývatn geht. Dieser See heißt salopp übersetzt so viel wie "Mückensee" und wie sich schnell herausstellen sollte, trägt er diesen Namen zu Recht.

Der Goðafoss
Der Goðafoss
Steinsäulen am Mývatn
Steinsäulen am Mývatn

Im einzigen kleinen Laden im Dorf decken wir uns mit neuen Nahrungsmitteln, aber auch mit tragbaren Mückennetzen für den Kopf ein. Man läuft nun zwar herum wie ein Imker mit schlechter Ausrüstung, aber immerhin wird man nicht mehr mit dem Kopf voran von der dortigen Insektenbevölkerung aufgefressen. Rund um den See gibt es diverse Ausflugsziele, die durchaus einen Blick wert sind. So gibt es im Süden schöne Wanderwege um eine kleine Kraterlandschaft, nach etwas Fahrtweg kann man im Nord-Osten Schlammvulkane und einen weiteren Kratersee finden. Alles ist frei zugänglich und niemand verlangt Eintritt. Wer Lust darauf hat, kann sich auch ein paar Stunden in einer der heißen Quellen vergnügen.

Einer der vielen Schlammvulkane
Einer der vielen Schlammvulkane
Heiße Quellen laden zum Baden ein
Heiße Quellen laden zum Baden ein

Für uns geht es allerdings von hier raus recht bald wieder weiter Richtung Norden. Es geht erst einmal nach Húsavík, einem der Hauptanlaufpunkte, wenn man Waltouren oder Ähnliches machen möchte. Von dort aus wollen wir dann immer weiter der Küste gen Westen folgen und so perspektivisch in den Westfjorden landen. Damit geht es dann allerdings im nächsten Teil weiter.

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Published on August 08, 2020